Atemnot

oder Gewohnheit ist stärker als alles nachdenken!

Heute, liebe Leute, zitiere ich aus einem interessanten Buch von Robert Jourdain und wende mich dem Gebiet der Musik zu. In seinem Buch 'Das Wohltemperierte Gehirn' finden wir folgende, wie ich finde, lustige Betrachtungen:

"Das Gehirn ist zum Großteil mit sich selbst, also mit den Aktivitäten anderer Gehirnteile beschäftigt. Das gilt besonders für die höchste Ebene der Informationsverarbeitung, die sogenannten analytischen Verarbeitungsstufen. Diese Stufen können sich so stark der inneren Vorstellung zuwenden, dass wir für die Realität zeitweilig blind werden.

Auf der höchsten Stufe der Kognition sehen wir die Welt wie durch ein enges Teleskop, arbeiten immer mit einer Art Tunnelblick. Wir können zu jedem Zeitpunkt stets nur wenige Aspekte der vorliegenden Szenerie berücksichtigen.

Musik, die über unser Begriffsvermögen hinausgeht, kommt uns nicht mehr wie Musik vor. Es gelingt dem Gehirn nicht, Beziehungen herauszuarbeiten und wir erleben so etwas wie künstlerischen Krach.

Geschmack beginnt mit der Vorstellung des Hörers, welche Rolle Musik im Leben spielen soll. Für viele Menschen ist die Funktion von Musik viel wichtiger als ihre Qualität.

In erster Linie verwenden wir Musik zur Steigerung unserer Stimmung. Wir ‚nehmen‘ Musik, um unser Zentralnervensystem in einen bestimmten Zustand zu versetzen.

  • Rock als Kick des Kokain,

  • Easy listening als Martini,

  • Sanfte Hintergrundmusik als Nachmittagskaffee,

  • Jazz als entspanntes High von Marihuana,

  • Klassik als alter Cognac.

Darüber hinaus hören wir Musik, um ihre Bedeutung zu erfahren. Hörer wenden sich auch wegen ihrer äußerlichen Bedeutung, also ihres sozialen Symbolcharakters, bestimmten Musikrichtungen zu. Manche Sozialkritiker halten das Sinfonieorchester für ein Abbild kapitalistischer Unterdrückung (es gibt eine strenge Hierachie und der Dirigent leitet als führender Aristokrat eine Schar dienstwilliger Musiker…). Im Vergleich dazu steht das Rockkonzert für eine klassenlose Gesellschaft (es ist die Rebellion gegen Hierachie und die Musiker treten untereinander und mit dem Publikum in völliger Gleichberechtigung in Kontakt). Rockmusik ist außerdem anti-intellektuell. Noten nicht lesen zu können ist hier fast Ehrensache!

Die meisten Menschen entwickeln ihren Musikgeschmack in der Jugend zusammen mit Gleichaltrigen, und diese Vorlieben halten sie ihr ganzes Leben bei, eine Kraft, die stärker ist als alles nachdenken.

Hören ist eine Fähigkeit - eine Kunst, bei der der Hörer im Inneren zahlreiche Muster eines Stückes durch Antizipation reproduziert und dadurch seine Wahrnehmung besser vorbereitet. Ein professioneller Hörer kann Unmengen von Tönen einer Komposition zusammenhalten. Hören auf hohem Niveau erfordert Musik auf hohem Niveau. Eine Bach-Fuge, Bigbandjazz oder indischer Raga, die mühevoll erschaffen wurden, unterscheiden sich stark von populären Gattungen, die sich garnicht erst um Tiefe bemühen. Den meisten Menschen bleibt die Beschränkung ihrer vertrauten Musik verborgen, es fehlt Ihnen der Schlüssel zu den Möglichkeiten von Musik. Ungeübte Ohren vermögen in komplexer Musik so wenig Sinn zu finden, dass Sie daraus nur schließen können, Ihre eigene Musik müsste einfach besser sein."

Ich habe gehört, dass Helene Fischer Fans besonders aggressiv werden, wenn man aus 'Atemlos' - 'Atemnot' macht -

vielleicht ahnen sie etwas...

Was sagt der Mönch?

"Es wird vorgebracht, die Menschen spüren das Bedürfnis, etwas aus sich selbst hervorzubringen. Besonders originell klingt das nicht: alle Menschen spüren das, aber ist es unbedingt nötig, alles was heraus will, vorzuzeigen?

Zweimal am Tag muss jeder etwas von sich abführen…"

ok., das reicht -

wir müssen nicht alles bewerten, wir dürfen bescheiden sein, alles ist relativ, take it easy!

Mein Stück der Woche heisst: Vogelperspektive!

Viel Spass!

P.s.: Wer etwas mehr über die Grenzen seiner Hörgewohnheit erfahren möchte, dem empfehle ich den Film 'Step Across The Border' von Fred Frith!

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