Musik Und Lust

Hey liebe Leute, heute, schreibe ich den letzten Blog vor den Ferien.

Es ist eine letzte Einheit aus Robert Jourdains Buch ‚Das wohltemperierte Gehirn’ und handelt von der Wirkung, die Musik auf uns hat.

Musik und Lust

„Erfüllt Musik ihr Versprechen (unsere Erwartung) empfinden wir Genuss, enttäuscht sie dieses, fühlen wir Unangenehmes. Wenn herausragende Kompositionen starke, weitreichende Erwartungen hervorrufen, geht ihre Erfüllung mit einem intensiven Lustgefühl einher; schwache Erwartungen einer minderwertigen Komposition berühren uns dagegen kaum. Die tiefste Befriedigung stammt jedoch aus der Abweichung vom Erwarteten:

Dissonanzen, Synkopen, Brücken in den melodischen Konturen, Dynamik der Lautstärke… Diese Abweichungen dienen dazu, noch stärkere Auflösung vorzubereiten. Banale Musik weckt herkömmliche Erwartungen, um sie mit einer naheliegenden Auflösung zu erfüllen.

Gut geschriebene Musik lässt sich viel Zeit, bevor sie Erwartungen erfüllt – reizt den Zuhörer, schürt Erwartungen, deutet Auflösung an, strebt auf eine Lösung zu, hält sich mit einer überraschenden Kadenz wieder zurück. Wenn sie schließlich die Erwartung erfüllt, kommt die ganze Wirkung von Harmonie, Rhythmus, Klangfarbe und Dynamik zum Tragen. Die Kunst besteht darin, Erwartungen bis zu einem übernatürlichen Maß anzuschüren. Dieses Rezept gilt genauso fürs ‚Liebe-machen‘. Unser Nervensystem funtioniert immer gleich. Dieselben Grundmechanismen gelten für alle Lustempfindungen, seien sie künstlerisch oder nicht, da diese Mechanismen Lust sind!“

Musik und Emotion

„Musik erhebt Emotionen zur Kunst, positive genauso wie negative, und indem sie das tut, erhebt sie auch unser eigenes soziales Erleben zeitweilig in höhere Sphären. Die Bedeutung, die wir erleben - empfinden, liegt nicht in der Musik selbst, sondern in unseren eigenen Reaktionen auf die Umwelt. Musik hilft, diese Reaktionen zu vervollkommnen, zu verschönern und unseren Lebenserfahrungen eine Größe zu verleihen, die sie eigentlich gar nicht haben. Indem Musik selbst negative Emotionen mit Lustgefühlen erfüllt, rechtfertigt sie die großen und kleinen Leiden und versichert uns, dass sie nicht alle umsonst waren.

Diese Musik erfasst meist nur Menschen, die bereits tiefe emotionale Erfahrungen gemacht haben. Es ist die Kraft unserer eigenen Existenz, die musikalische Erwartungen antreibt, und es sind die Freuden und Schmerzen in uns selbst, die durch musikalische Auflösung bedient werden.“

Musik und Körper

„Da Musik nicht selbst in unsere Muskeln gelangt, müssen wir sie bewusst auf diese übertragen. Wir benutzen unsere Muskeln zur Repräsentation von Musik, indem wir die wichtigsten Eigenschaften musikalischer Muster durch kleine oder große Bewegungen nachahmen. Kinästhetische Antizipation liegt tief in unserer Natur, beim Musikhören als unsichtbarer Tanz. Musikalische Muster, die Emotionen und Lustgefühle erzeugen, werden in einem zweiten, besonders ausgedehnten neuronalen System repliziert - dem motorischen System - und daher entstehen Emotion und Lustgefühle auch in diesem Medium.

Wir benutzen den Körper als Resonator für auditorische Erfahrungen – der Zuhörer wird selbst zum Instrument. Wenn wir Musik durch körperliche Bewegung ausdrücken, ist das voll von intentionsgesteuerten Erwartungen. Unser Körper ist nämlich Experte für das Timing und die Verschmelzung zeitlicher Abläufe.

Die körperliche Repräsentation von Musik könnte dafür verantwortlich sein, dass sich unser Musikgenuss steigert, indem das Gehirn die berühmten opiatähnlichen Endorphine ausschüttet.“

Jetzt wissen wir, warum der Musikmarkt boomt und warum manche mit dem Schlager nicht klarkommen, andere jedoch sehr.

Ich verabschiede mich in eine Blog Pause bis Ende Oktober.

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